Dein Warenkorb ist gerade leer!

MÁV V63 (H-START 630) „Gigant“
Die MÁV V63 – besser bekannt unter dem eindrucksvollen Spitznamen „Gigant“ – markiert einen Meilenstein ungarischer Lokomotivtechnik. In einer Zeit, in der nur ein Fünftel des Streckennetzes elektrifiziert war, entwickelte Ganz-MÁVAG diese kräftige sechsachsige Elektrolok für den schweren Personen- und Güterverkehr. Ab 1975 begannen die Auslieferungen, die sich über mehr als ein Jahrzehnt bis 1988 erstreckten. Insgesamt wurden 56 Lokomotiven gebaut, wobei die ersten beiden Prototypen mit westlicher Elektronik ausgestattet waren.
Die V63 überzeugt nicht nur durch ihre enorme Leistung von 3600 kW, sondern auch durch ihre einfache Bedienung, hohe Zuverlässigkeit und den vergleichsweise leisen Lauf. Manche Exemplare wurden Anfang der 1990er-Jahre für 160 km/h umgebaut und kamen auf der modernisierten Strecke von Budapest nach Hegyeshalom zum Einsatz – teils im internationalen Schnellzugverkehr bis Wien.
Neben technischen Highlights wie dem TELOC-Datensystem und dem später nachgerüsteten ETCS Level 1 wurde die V63 auch durch ihre individuellen Geschichten bekannt. Einige Loks erhielten Namen bedeutender Persönlichkeiten oder Städte wie „Kossuth Lajos“, „Celldömölk“ oder „Gróf Széchenyi István“. Eine Lok schaffte es sogar zu Tests in die Niederlande – ein Beweis für ihre Vielseitigkeit, trotz der veralteten Antriebstechnik.
Obwohl die V63 international eher als schwach für eine Co’Co’-Lok gilt, genießt sie in Ungarn Kultstatus. Ihre Präsenz im regulären Betrieb, besonders in Dombóvár und Nyíregyháza, zeugt von ihrer Langlebigkeit. Und wer genau hinsieht, kann im Eisenbahnmuseum Budapest das „Schammerl“ auf dem Dach der ersten Prototypen entdecken – ein charmantes Relikt aus der Anfangszeit dieser faszinierenden Lokomotive, da sie etwas zu niedrig für die Stromabnehmer war.