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MUPID & BTX: Österreichs Pioniere des Online-Zeitalters

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Als ein Meilenstein österreichischer Tech-Geschichte gilt der MUPID, entwickelt von Hermann Maurer und Reinhard Posch an der TU Graz im Auftrag der Post- und Telegraphenverwaltung, damals PTV. BTX (Bildschirmtext) war das heimische Pendant zum frühen Videotex – ein Netzwerk, das Text- und Informationsabruf via Telefonleitung an den heimischen Fernseher ermöglichte.

Das Besondere: Statt eines starren Terminals erhielt BTX durch den MUPID einen „intelligenten Decoder“ – einen voll programmierbaren Mini‑PC mit Tastatur, erweiterter Grafik und BASIC‑Umgebung. Der Prototyp als MUPID 1 erschien 1982, ausgestattet mit Z80‑CPU, 128 KB RAM, Grafikmodi bis 480 Pixel/Zeile und 16 Farben.

Preise bewegten sich im März 1984 bei etwa 1.000 ÖS (ca. 73 EUR), mit monatlicher Miete um 130 ÖS. 1984 folgte der MUPID 2 mit CP/M‑Support, externem Diskettenlaufwerk und erweiterter Konnektivität – darunter CEPT‑konform, verbesserte Grafikmodi, Sound und Joystick-Anschluss.

Gefertigt wurde der MUPID von der 1983 gegründeten MCG (Mupid Computer Gesellschaft) in Kooperation mit ELIN, Siemens Österreich und VOEST – exklusive Partnerschaften verhinderten jedoch einen durchschlagenden Export-Erfolg. In Summe wurden etwa 50.000 Geräte produziert, später von Unternehmen wie BIT oder Infonova weitergeführt.

Technisch basierte BTX auf 1200 bit/s Downlink und 75 bit/s Uplink über Telefon-Netze – üblich bei Videotex-Systemen jener Zeit. Anders als im späteren Web gab es Mikrozahlungen vor dem Abruf, klare Absenderkennzeichnung (kein SPAM), und ein zentralisiertes Anbietersystem via BTX-Zentralen.

BTX & MUPID ermöglichten bereits Funktionen, die später das Internet definieren sollten: interaktive Informationsdienste, Online‑Transaktionen, Homebanking, Nachrichtensysteme, sogar elektronische Buchungssysteme und öffentliche Terminals bei Banken oder Hochschulen.

Doch BTX scheiterte trotz technischer Raffinesse: europäische Partner waren nicht verlässlich, Standards verhinderten fähigere Geräte, und hohe Telefonkosten hemmt die Akzeptanz – hinzu kam die Dominanz des PCs Ende der 1980er. Die MUPID-Produktion endete 1989, der BTX-Dienst wurde bis 2000 schrittweise eingestellt.

Fazit: Der MUPID war mehr als ein Terminal – ein visionäres Hybridgerät, das sein Internet-Zeitalter voraus war. Heute ist er begehrtes Sammlerstück, Exponate finden sich in technischen Museen wie in Paderborn oder Wien.

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