NOHAB

Die Geschichte der ungarischen Lokomotive NOHAB 459 021 Ketty – die ehemalige dänische MY 1125

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Die Diesellokomotive 459 021 der Kárpát Vasút gehört zu den bekanntesten „Rundnasen“ in Ungarn. Ihre bewegte Geschichte beginnt jedoch nicht an der Donau, sondern in Dänemark, wo das Fahrzeug vor fast siebzig Jahren als DSB MY 1125 ausgeliefert wurde.

Dänische Staatsbahnzeit (1957–1999)

  • Bau und Indienststellung – 1957: Die Lokomotive wurde am 17. August 1957 von Nydqvist & Holm AB (NOHAB) in Trollhättan (Schweden) fertiggestellt und trug die Fabriknummer 2366. Sie war die erste an die dänische Staatsbahn gelieferte MY-Lok („erste Dame“) und wurde mit dem Spitznamen „Ketty“ versehen.
  • Einsatz bei DSB: MY 1125 fuhr zunächst im weinroten Nohab‑Design und bediente über Jahrzehnte Reise‑ und Güterzüge vor allem auf Seeland. Ab 1984 erhielt sie – wie andere MY‑Lokomotiven – die rot‑schwarze DSB-Farbgebung. Mitte der 1990er Jahre wurde sie zur Umweltmodernisierung ins Werk Århus überführt und erhielt den Beinamen „Ketty“.
  • Abschied aus Dänemark: Nach rund 42 Jahren Dienst wurde MY 1125 1999 von der DSB ausgemustert. Die NOHAB blieb aber nicht lange ohne Arbeit – eine ganze Reihe privater Eisenbahnen nutzte sie in den folgenden Jahren.

Deutsche Privatbahnen und die Entwicklung zum „Santa‑Fe“ (1999–2010)

  • NEG und EuroTrac (1999–2003): Die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft (NEG) erwarb die Lok 1999 und setzte sie als V 170 1125 vor Güterzügen ein. Ein Foto aus Tornesch zeigt die Lok am 3. Juni 1999 mit einem Güterzug zusammen mit der MaK‑Diesellok NEG 01. Am 27. April 2001 wurde sie – gemeinsam mit V 170 1131 – an die Dortmunder Eisenbahn vermietet und beförderte Güterzug 63770 in Dortmund‑Hörde. Um 2000 ging die Lok zu Euro Rail/EuroTrac und 2001 kurzzeitig zum Leasingunternehmen LSG; sie blieb aber unter der Bezeichnung V 170 1125.
  • Eichholz Eivel (2003–2007): 2003 kaufte die Berliner Eichholz Eivel GmbH das Fahrzeug. Zu diesem Zeitpunkt war die Maschine stark verschlissen. 2007 fasste Eichholz den Entschluss, die Lok komplett zu überholen. In einem ausführlichen Bericht der NOHAB‑GM‑Gruppe wird geschildert, wie die „alte Dame 1125“ auseinandergebaut wurde: ihr Blechkleid litt stark, weshalb sowohl der Lokkasten als auch die Drehgestelle komplett zerlegt und aufgearbeitet wurden. Außerdem verschloss man die Fronttüren, montierte einen Handgriff auf der Nase und ersetzte die Puffer. Nach Grundierung und Spachtelarbeiten wurde sie erstmals im neuen silber‑roten „Santa‑Fe“-Design lackiert – angelehnt an das Warbonnet‑Schema der amerikanischen Atchison, Topeka & Santa Fe Railroad. Ende 2007 stand die Lok fertig lackiert in Haldensleben und erwartete den Einsatz.
  • STRABAG Rail (2007–2010): Nach der Modernisierung ging die Lokomotive 2007 an die STRABAG Rail. Sie diente nun als Baustellen‑ und Güterzuglok und behielt das auffällige Santa‑Fe‑Aussehen. Höhepunkt dieser Zeit war der „Balkan‑Express“ im August 2009: Strabag MY 1125 führte für die IGE (Internationale Gesellschaft für Eisenbahnverkehr) einen Sonderzug von Augsburg über Österreich, Ungarn und Serbien bis nach Kosovo. Ein Reisebericht beschreibt, wie die Lok am 21. August 2009 in Augsburg fünf IGE‑Reisezugwagen aufnahm, um als DPE 19993 nach Passau zu fahren. Aufgrund der Sicherungssysteme wurde in Sopron die ungarische NOHAB M61 017 vor die Strabag‑Lok gespannt; gemeinsam zogen sie den Zug als 13991 durch Ungarn. Auf dem Weg nach Süden begegnete der Zug unzähligen Regionalzügen und stellte für Eisenbahnfans eine einmalige Gelegenheit dar.

STRABAG entschied 2010, seine NOHAB‑Flotte zu veräußern. Wegen ihrer besonderen Antischlupf‑Ausrüstung war V 170 1125 (neben V 170 1142) besonders begehrt; beide Maschinen gingen an einen ungarischen Interessenten.

Kárpát Vasút Kft und Dienst in Ungarn (ab 2010)

  • Übernahme und Nummer 459 021: Im November 2010 kaufte die ungarische Güterbahn Kárpát Vasút Kft die Lok und führte sie unter der UIC‑Nummer 92 55 0459 021‑5. Laut einer ungarischen Quelle verließ die Maschine im Januar 2013 das Werk Dombóvár nach einer weiteren Hauptuntersuchung. Das erneute Lackieren behielt zwar das Santa‑Fe‑Muster bei, integrierte aber Kárpát‑Logos und brachte die ursprüngliche Nummer 1125 am Lokkasten an.
  • Einsatz in Ungarn: Seit 2012 ist die Lok in Ungarn zu Hause. In den ersten Monaten fuhr sie in etwas verwittertem Strabag‑Design vor Bauzügen und Containerzügen, u. a. für Metrans. Nach der HU 2013 übernahm sie regelmäßig Güterzüge von Train Hungary und wurde auch für Arbeitszüge im Budapester HÉV‑Netz eingesetzt. Freunde der ungarischen Eisenbahn schätzen das Fahrzeug wegen seiner markanten silber‑roten Lackierung und des röhrenden 16‑Zylinder‑Dieselklangs – ein seltener Anblick zwischen modernen Lokomotiven. Die Lokomotive erhielt 2016 erneut eine Revision und bleibt bis heute im Bestand von Kárpát Vasút.

Technische Daten und Besonderheiten

MerkmalInformation
HerstellerNydqvist & Holm AB (NOHAB), Trollhättan, Schweden
Baujahr1957 (Ablieferung 17. August 1957)
Achsfolge(A1A)(A1A), zwei Triebdrehgestelle mit je zwei angetriebenen und einer Laufradachse
MotorEMD 16‑567C1, 16‑Zylinder‑Zweitakt-Dieselmotor
Leistungca. 1 433 kW
Dienstmasserund 102 t
Höchstgeschwindigkeit120 km/h (bei DSB 133 km/h, später teilweise auf 120 km/h begrenzt)
Farbschemataweinrot (1957–1984); rot/schwarz (1984–1999); blau/grau (EuroTrac/NEG 1999–2007); Santa‑Fe‑Design (seit 2008)
UIC‑Nummer92 55 0459 021‑5
BesonderheitenAnti‑Schlupf‑Regelsystem; erster an die DSB gelieferter NOHAB; Spitzname „Ketty“; markante Santa‑Fe‑Lackierung

Fazit

Die ungarische 459 021 blickt auf eine außergewöhnliche Karriere zurück. Als DSB MY 1125 prägte sie jahrzehntelang den Reiseverkehr in Dänemark, bevor sie über NEG, EuroTrac und Eichholz nach Deutschland gelangte. Die umfassende Aufarbeitung 2007 verlieh ihr das noch heute bekannte Santa‑Fe‑Aussehen, mit dem sie beim Balkan‑Express 2009 bewundernde Blicke auf sich zog. Seit 2012 versieht sie als 459 021 zuverlässig Güter‑ und Bauzugdienste in Ungarn – ein rollendes Geschichtsbuch, das den Klang amerikanischer Dieselmotoren in Europas Osten bewahrt.

Quellen

  • iho.hu – Ungarisches Fachportal für Bahn- und Verkehrsthemen (mehrere Artikel zu 459 021)
  • nohab-gm.de – Umfangreiche Informationen zur Baureihe V170 / NOHAB Rundnasen, inkl. Restaurierungsberichte und Fotodokumentationen
  • railorama.dk – Bildmaterial und Informationen zur NEG-Einsatzzeit von MY 1125
  • treinfoto2000.be – Archivfotos und Betriebsübersichten belgischer und europäischer Fahrzeuge
  • roundnoses.com – Internationaler Blog über NOHAB- und GM-Lokomotiven, u. a. mit Reiseberichten zum Balkan-Express 2009
  • facebook.com – u. a. Fotos der Sichtungen vom August 2025

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