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Schi-Stra-Bus BS300
Der NWF BS 300 gehört zu den spannendsten Experimenten der deutschen Verkehrsgeschichte. Entwickelt von der Nordwestdeutschen Fahrzeugbau GmbH (NWF) wurde er Anfang der 1950er-Jahre als Schienen-Straßen-Omnibus konzipiert. Ziel war es, mit einem einzigen Fahrzeug flexibel sowohl Straßen als auch Eisenbahnstrecken nutzen zu können. Das „B“ stand für Bus, das „S“ für den Sechszylinder-Dieselmotor vom Typ Deutz F 6L/514. Mit 8 Litern Hubraum und 125 PS brachte er den Bus auf 80 km/h im Straßenbetrieb und erstaunliche 120 km/h auf der Schiene.
Die Deutsche Bundesbahn hatte klare Anforderungen gestellt: Innerhalb von drei Minuten sollte das Fahrzeug vom Asphalt auf die Gleise wechseln können, ohne dass die Fahrgäste aussteigen mussten. Dazu wurden an bestimmten Bahnhöfen spezielle Drehgestelle bereitgestellt. Diese wurden unter den Bus geschoben, sodass die gummibereifte Hinterachse den Antrieb auch auf der Schiene übernahm. Mit 43 Sitz- und bis zu 24 Stehplätzen bot der BS 300 eine für damalige Verhältnisse ordentliche Kapazität.
1952 lieferte NWF zwei Prototypen, kurz darauf folgten drei Serienfahrzeuge. Von einer größeren Bestellung wurden jedoch nur 15 Busse tatsächlich für den kombinierten Betrieb ausgerüstet; die restlichen Fahrzeuge kamen ausschließlich auf der Straße zum Einsatz. Der Mangel an Flexibilität und die Tatsache, dass für jeden Wechsel Straße–Schiene ein speziell ausgerüsteter Bahnhof erforderlich war, ließen das Interesse der Bundesbahn schnell schwinden. Im Mai 1967 erfolgte schließlich der letzte Einsatz auf der Strecke Koblenz–Betzdorf.
Während die meisten Exemplare verschrottet wurden, blieb ein Fahrzeug erhalten: der Bus DB 29-3 mit den Spurwagen 1913 und 1916. Nach seiner Abstellung fand er 1976 eine neue Heimat im Eisenbahnmuseum Bochum der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte. Mit Hilfe von Eisenbahnfreunden aus dem Westerwald wurde er sogar wieder betriebsfähig gemacht. Bei einer Sonderveranstaltung im Jahr 2002 pendelte er noch einmal eindrucksvoll zwischen Montabaur und Siershahn – abwechselnd auf Straße und Schiene.
Heute steht der BS 300 als technisches Denkmal im Eisenbahnmuseum Bochum Dahlhausen. Er erinnert an eine Zeit, in der Ingenieure kreative Lösungen suchten, um Mobilität neu zu denken. Auch wenn das Konzept sich nie dauerhaft durchsetzte, bleibt der Schienen-Straßen-Omnibus ein faszinierendes Symbol für den Erfindergeist der Nachkriegszeit.