HÉV MVIII 251

Geschichte des Budapester HÉV-Triebwagentyps MVIII

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Budapest, 1950er Jahre: Auf den Vorortgleisen der ungarischen Hauptstadt taucht ein neuer grüner Triebwagen auf. Die MVIII-Baureihe ist geboren – moderne, vierachsige Elektrotriebwagen, die das Gesicht der HÉV-Vorortbahnen für Jahrzehnte prägen werden. Fast jeder Eisenbahnfans erkennt sie sofort: das abgerundete Führerstandsfenster, die kräftige tannengrüne Lackierung und das surrende Geräusch der Fahrmotoren. Was kaum jemand ahnte: Triebwagen 251, der erste seiner Reihe, sollte eine ganz besondere Karriere hinlegen, die bis ins 21. Jahrhundert reicht.

Von der Nachkriegszeit in die Moderne

Die Geschichte des Typs MVIII beginnt im Spannungsfeld von Wiederaufbau und technischen Aufbruch: Geplant schon 1943, gebaut 1952 – die Budapester HÉV brauchte nach Kriegsende dringend neue Fahrzeuge. Die Wahl fiel auf eine Gemeinschaftsentwicklung von Ganz und der Dunakeszi-Waggonfabrik. Heraus kam ein 18 Meter langer Stahlriese auf Schienen, der dank 4×137 kW Motorleistung mit den dampflokbespannten Zügen der Vororte mithalten konnte. Auf dem hochspannungsführenden Bügel prangt die Zahl 1100 V, denn die MVIII fahren elektrisch – ein Novum jener Zeit, das der Budapester Umlandbahn zur echten Schnellbahn machen sollte.

Zunächst sollten die neuen Züge die Strecke nach Csepel beleben, doch noch bevor sie einsatzbereit waren, war die Csepeler Linie schon eröffnet – und die MVIII kamen zu spät. Flexibilität war gefragt: Statt nach Süden rollte MVIII 251 ab 1952 gen Nordosten. Die Linie von Budapest nach Gödöllő wurde sein erstes Revier. Dort begeisterte der grüne Triebwagen Fahrgäste und Personal gleichermaßen: Endlich mehr Platz (132 Sitz- und Stehplätze!), endlich zügiges Beschleunigen und sanftes Bremsen. Die knallgrüne Lackierung mit cremeweißen Zierstreifen ließ keinen Zweifel: Hier kommt etwas Neues auf den Schienen daher.

Glanzzeit auf Budapests Vorortgleisen

In den folgenden Jahrzehnten wurde MVIII 251 zum Arbeitstier. Morgens und abends pendelte er im dichten Takt vom Stadtende in die Vororte. Mal zog er zwei P XV-Beiwagen hinter sich her, mal war er alleine unterwegs – dank Kupplung und Mehrfachsteuerung war er variabel einsetzbar. Die Menschen in den Dörfern entlang der Strecke kannten den Zug bald wie ein Familienmitglied. Viele ältere Budapester erinnern sich noch: „Der zöld szerelvény (grüne Zug) brachte uns zur Schule und zur Arbeit.“

Technische Verbesserungen blieben dabei nicht aus. In den 1960er Jahren bekam die MVIII-Familie ein Facelifting: Neue Stirnfront, neues Innenleben – bereit für die Ära der sich wandelnden Stadt. MVIII 251 präsentierte sich danach noch schnittiger, verlor aber nie seinen klassischen Charme. Die meiste Zeit seiner Karriere trug er das dunkelgrüne Kleid mit hellem Zierstreifen, das so typisch für die Budapester Vorortbahnen war. Während ringsum Tramwagen gelb und Busse blau lackiert wurden, blieb die HÉV grün – ein wiedererkennbares Markenzeichen.

Umzug auf neue Strecken und der letzte Linien-Einsatz

Mitte der 1970er wechselte unser Held sein Einsatzgebiet: Neue, größere Züge kamen für Gödöllő, und Triebwagen 251 zog auf die Ráckeve-Linie um. Diese landschaftlich reizvolle Strecke entlang der Donau sollte sein letztes reguläres Betätigungsfeld werden. Hier, zwischen Wiesen und kleinen Bahnhöfen, dampfte zwar nichts mehr – aber MVIII 251 übernahm quasi die Rolle der „Dampflok von einst“ im elektrischen Zeitalter. Fast 15 Jahre lang zuckelte er auf der H6-Strecke übers Land, oft dekoriert mit Staub und Patina, aber immer zuverlässig.

Doch nichts hält ewig: 1991 war Schluss. Nach fast 40 Dienstjahren verabschiedete sich MVIII 251 – zusammen mit den wenigen übrigen MVIII – von den grünen Gleisen der Vororte. Jüngere, leise surrende Nachfolger standen bereit. Unser Veteran wurde beiseitegestellt, der Stromabnehmer senkte sich ein letztes Mal. Viele glaubten, das sei das Ende der Geschichte… aber weit gefehlt!

Rückkehr einer Legende – MVIII 251 als Nostalgie-Star

Ein paar mutige und vorausschauende Verkehrsliebhaber konnten es nicht übers Herz bringen, MVIII 251 einfach zu verschrotten. Statt auf dem Schrottplatz landete er in der Werkstatt: 1993 begann eine aufwendige Restaurierung. Schraube für Schraube, Niete für Niete wurde der Oldie instandgesetzt. 1994 dann die große Wiedergeburt: Wie ein Phönix aus der Asche rollte MVIII 251 im frisch lackierten HÉV-Grün aus der Halle der Cinkota-Werkstatt. Ein funkelnagelneuer Oldtimer – bereit für ein zweites Leben.

Seither ist der betagte Triebwagen zur rollenden Zeitmaschine geworden. Im Verkehrsmuseum Szentendre konnte man ihn aus der Nähe bestaunen – doch das reichte den Eisenbahn-Enthusiasten nicht. Zu besonderen Anlässen holte man ihn wieder auf die Schiene: Ob zum 110. Jubiläum der HÉV 1997 oder zur Feier 130 Jahre HÉV im Jahr 2017 – MVIII 251 war der Ehrengast, geschmückt mit Fahnen und Jubiläumskranz. Wenn er an den Start geht, leuchten die Augen der Fans: Das Quietschen der alten Bremsen und der Duft von Elektromotoren-Öl wecken Erinnerungen an längst vergangene Zeiten.

Ein Muss für Eisenbahnfreunde und ein Stück lebendige Technikgeschichte

Heute, im Jahr 2025, ist MVIII 251 zwar über 70 Jahre alt, aber voller Tatendrang. In den Sommermonaten zuckelt er regelmäßig als Nostalgiezug über die grünen HÉV-Linien. Wo immer er auftaucht, zaubert er ein Lächeln auf die Gesichter – sei es bei ehemaligen Lokführern, die „ihren” Zug von damals wiedersehen, oder bei jungen Familien, die staunend einen Klassiker der Eisenbahngeschichte erleben.

Für uns Eisenbahnfans ist MVIII 251 mehr als nur ein alter Triebwagen. Er ist ein Symbol: für die Beständigkeit guter Ingenieurskunst, für die Nostalgie einer vergangenen Epoche und für die Leidenschaft, mit der wir Züge lieben. Kein Wunder, dass viele Fans sich ein Modell oder ein T-Shirt mit dem Bild des MVIII zugelegt haben – ein Stück dieser Legende für zuhause. In einer Zeit, in der vieles digital und kurzlebig ist, erinnert uns MVIII 251 an den Charme der analogen Technik: an quietschende Federn, riechendes Schmieröl und daran, wie es war, als der Arbeitsweg noch ratternd und funkenstiebend zurückgelegt wurde.

Fazit: Die Geschichte des HÉV-Triebwagens MVIII 251 zeigt, dass echte Klassiker niemals aus der Mode kommen. Von 1952 bis 2025 hat dieser grüne Veteran alles gesehen – und begeistert bis heute Jung und Alt. Wer in Budapest die Chance hat, sollte unbedingt einmal aufsteigen, wenn MVIII 251 als Nostalgiebahn vorbeikommt. Es ist eine Fahrt in die Vergangenheit, die einem gleichzeitig vor Augen führt, warum wir Eisenbahn lieben. Und genau dieses Gefühl tragen wir Eisenbahnenthusiasten gerne mit Stolz – sei es im Herzen oder als Aufdruck auf dem Lieblingsshirt.

Allzeit gute Fahrt, MVIII 251! 🚃💚