
Die ÖBB 5046 und 5146 waren charmante Dieseltriebwagen für Österreichs Nebenbahnen. Ihre Geschichte führt von SGP über Wiener S-Bahn, GySEV und Museen bis nach Budapest.
Wer an alte österreichische Nebenbahnen denkt, hat oft ein ganz bestimmtes Bild im Kopf: ein kleiner Bahnhof, ein paar Gleise, vielleicht ein Güterschuppen, dahinter Hügel, Wald oder ein Ort, der noch nicht völlig von Parkplätzen und Kreisverkehren verschluckt wurde. Und mittendrin steht ein blau-elfenbeinfarbener Dieseltriebwagen mit rundem Gesicht, Stirnlampe, Übergangsgitter und dieser Mischung aus Zweckmäßigkeit und Charme, die moderne Fahrzeuge selten haben. Genau in diese Welt gehören die ÖBB 5046 und 5146.
Vom Dampfzug zur Dieselmoderne
In den 1950er-Jahren standen die Österreichischen Bundesbahnen vor einer großen Aufgabe. Viele Strecken waren noch nicht elektrifiziert, Dampflokomotiven waren personal- und wartungsintensiv, gleichzeitig wollte man den Regionalverkehr moderner und günstiger machen. Die Antwort lag nicht immer in großen Lokomotiven, sondern oft in Triebwagen: Fahrzeuge, die Motor, Fahrgastraum und Gepäckabteil in einem vereinten und bei Bedarf mit Steuer- oder Beiwagen kombiniert werden konnten.
Die Reihen 5046 und 5146 entstanden bei Simmering-Graz-Pauker, kurz SGP. Die ersten 5046 wurden 1954 und 1955 gebaut, die späteren 5146 folgten zwischen 1959 und 1961. Technisch waren sie mit der erfolgreichen österreichischen Dieseltriebwagenfamilie der Nachkriegszeit verwandt, wurden aber stärker auf den Nah- und Regionalverkehr zugeschnitten. Sie mussten keine luxuriösen Fernverbindungen meistern, sondern zuverlässig Menschen, Gepäck und Alltag über Österreichs Dieselstrecken bringen.
Das klingt vielleicht unspektakulär. In Wahrheit war es genau dieser Einsatz, der die Fahrzeuge so prägend machte. Ein Zug, der täglich Pendler, Schüler, Ausflügler und Eisenbahner begleitet, wird irgendwann Teil der Landschaft.
Ein Gesicht, das man nicht vergisst
Der 5046 und der 5146 hatten ein unverwechselbares Äußeres. Die runde Stirnfront, die großen Fenster, das zentrale Übergangsgitter und die klassische blau-elfenbeinfarbene Lackierung machten sie zu typischen Vertretern österreichischer Nachkriegsbahn-Ästhetik. Nichts daran wirkte aggressiv oder überdesignt. Der Triebwagen sah aus wie ein Fahrzeug, das freundlich nickt und sagt: „Steig ein, wir fahren gleich.“
Ausgeliefert wurden die Fahrzeuge in Saphirblau und Elfenbein mit hellem Dach. Später änderten Umbauten und Neulackierungen das Erscheinungsbild. Viele Fahrzeuge erhielten Ultramarinblau, manche später ein graues Dach, einzelne bekamen sogar das modernere Valousek-Design. Dazu kamen praktische Änderungen an Frontschürzen, Übergängen und Verkleidungen, wodurch manche Triebwagen im Alter deutlich robuster und kantiger wirkten als in ihren frühen Jahren.
Technik ohne Fachchinesisch
Unter der Haube steckte solide Dieseltechnik. Die Fahrzeuge waren dieselhydraulisch angetrieben, was vereinfacht bedeutet: Ein Dieselmotor erzeugte die Kraft, ein hydraulisches Getriebe übertrug sie auf die Achsen. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei rund 100 km/h. Für Hauptbahnen war das nicht rekordverdächtig, für Nebenbahnen aber absolut brauchbar.
Der 5046 leistete rund 370 kW, der etwas stärkere 5146 kam auf knapp 400 kW. Damit waren sie keine Kraftprotze, aber stark genug für ihren Alltag. Wichtig war nicht nur Geschwindigkeit, sondern Flexibilität. Die Triebwagen konnten mit Steuerwagen eingesetzt werden, wodurch am Endbahnhof kein Umsetzen nötig war. Der Fahrer wechselte einfach den Führerstand, und schon ging es in die andere Richtung weiter.
Für Nebenbahnen war das ein enormer Vorteil. Weniger Rangieraufwand, kürzere Aufenthalte, weniger Personal – genau solche Dinge machten den Dieseltriebwagen attraktiv. Aus heutiger Sicht wirkt das selbstverständlich. In den 1950er- und 1960er-Jahren war es ein wichtiger Schritt weg vom klassischen Dampfzugbetrieb.
Wo die 5046 und 5146 unterwegs waren
Die 5046 und 5146 waren vor allem dort zu Hause, wo Österreich noch nicht unter Fahrdraht stand. Besonders stark vertreten waren sie in Niederösterreich, der Steiermark, Kärnten und Oberösterreich. Man fand sie auf Nebenbahnen, im Regionalverkehr und zeitweise sogar im Wiener Umfeld.
Bekannt sind Einsätze auf der Erlauftalbahn zwischen Pöchlarn und Kienberg-Gaming, im Traisental, auf der Leobersdorfer Bahn und im Weinviertel. Auch auf der Donauuferbahn in Oberösterreich waren die 5146 bis in die späten Jahre präsent. Im Wiener Raum kamen 5046 und 5146 sogar im S-Bahn-Verkehr zwischen Franz-Josefs-Bahnhof und Tulln zum Einsatz, bevor die Elektrifizierung diesen Abschnitt veränderte.
Gerade auf solchen Strecken passten die Fahrzeuge perfekt. Sie waren groß genug für den Regionalverkehr, aber nicht überdimensioniert. Sie hatten Platz für Reisende und Gepäck, konnten mit Steuerwagen fahren und wirkten auf kleinen Bahnhöfen nie fehl am Platz. Ein 5046 vor einem ländlichen Stationsgebäude sieht nicht aus wie ein Zug, der zufällig dort steht. Er gehört einfach dorthin.
Der Alltag auf der Nebenbahn
Der Reiz dieser Triebwagen liegt nicht nur in technischen Daten. Viel spannender ist ihr Alltag. Die 5046 und 5146 waren Fahrzeuge für echte Bahnrealität: frühe Pendlerzüge, Schülerverkehr, Ausflugsfahrten, Anschlüsse an größere Bahnhöfe, kurze Aufenthalte, lange Tage.
Man kann sich gut vorstellen, wie so ein Triebwagen an einem nebligen Morgen in einem kleinen Bahnhof wartet. Türen schlagen zu, jemand hebt ein Fahrrad hinein, ein Schaffner schaut auf die Uhr, der Motor brummt, und langsam setzt sich der Zug in Bewegung. Keine große Show, aber genau diese Szenen machen Eisenbahngeschichte greifbar.
Eine nette betriebliche Anekdote betrifft die Führerstände. Anfangs bevorzugte das Personal teils den motorseitigen Führerstand, weil man dort Störungen am Motor schneller bemerkte. Später war aus Lärmgründen oft die andere Seite angenehmer. Das ist typisch Eisenbahn: Auf dem Papier zählt die Konstruktion, im Alltag entscheidet der Mensch, wo es wirklich besser funktioniert.
Der kleine Ausflug nach Ungarn: GySEV und Raaberbahn

Nicht alle Fahrzeuge blieben bis zum Schluss bei den ÖBB. Einige 5046 und 5146 fanden später neue Aufgaben bei der GySEV, der Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn. Damit führte ihre Geschichte auch nach Ungarn und in den Grenzraum rund um den Neusiedler See.
Belegt sind unter anderem ehemalige ÖBB-Fahrzeuge, die bei der GySEV beziehungsweise Raaberbahn als 5046 und 5146 weiterverwendet wurden. Sie kamen im Regionalverkehr rund um Fertőszentmiklós, Pamhagen und Neusiedl am See zum Einsatz. Teilweise erhielten sie neue Nummern und auch andere Farbvarianten. Besonders spannend ist der 5146.02 der GySEV, der heute im Bahnhistorischen Park Budapest steht.
Damit wurde aus einem österreichischen Nebenbahntriebwagen auch ein kleines Stück ungarisch-österreichischer Eisenbahngeschichte. Für eine Baureihe, die oft als schlichtes Regionalfahrzeug wahrgenommen wird, ist das ein ziemlich schönes zweites Kapitel.
Die Ablöse durch modernere Triebwagen
Ab den späten 1980er-Jahren begann das Ende des regulären Einsatzes. Mit der ÖBB-Reihe 5047 kam ein moderner, wirtschaftlicher Dieseltriebwagen auf die Nebenbahnen. Für die 5046 und 5146 bedeutete das schrittweise den Rückzug.
Ganz abrupt verschwand die Baureihe aber nicht. Viele Fahrzeuge hielten sich erstaunlich lange im Dienst. Bis 1997 waren sie noch im Planbetrieb anzutreffen, besonders auf Strecken, wo ihr Konzept weiterhin funktionierte. Danach wurden einige verschrottet, andere verkauft, abgestellt oder von Vereinen übernommen.
Für Eisenbahnfans begann damit eine neue Phase: Die Fahrzeuge wurden nicht mehr nur als Alltagszüge gesehen, sondern als erhaltenswerte Zeugen einer vergangenen Bahnzeit.
Wo man die Fahrzeuge heute noch findet
Mehrere 5046 und 5146 sind erhalten geblieben. Das ist erfreulich, denn viele vergleichbare Alltagsfahrzeuge verschwinden oft leise und ohne große Aufmerksamkeit. In Strasshof befinden sich Fahrzeuge der Reihe 5046 in der Sammlung des Eisenbahnmuseums „Das Heizhaus“. Auch in Ampflwang, Mistelbach und St. Aegyd am Neuwalde sind erhaltene Exemplare beziehungsweise bekannte Standorte dokumentiert.
Besonders interessant ist der Blick nach Budapest: Dort steht ein ehemaliger GySEV-5146 im Bahnhistorischen Park. Damit ist die Geschichte nicht nur in Österreich sichtbar geblieben, sondern auch in Ungarn.
Auch Steuerwagen der Reihe 6546 spielen beim Erhalt eine Rolle. Der betriebsfähige 6546.210 wird mit „Bahn im Film“ und den Nostalgiebahnen in Kärnten in Verbindung gebracht. Solche Fahrzeuge sind wichtig, weil sie nicht nur herumstehen, sondern Eisenbahngeschichte wieder erlebbar machen können.
Bei einzelnen Fahrzeugen ist der aktuelle Zustand nicht immer ganz eindeutig. Museumsfahrzeuge wechseln Besitzer, Standorte oder werden über Jahre aufgearbeitet. Gerade deshalb lohnt es sich, vor einem Besuch immer die jeweiligen Vereins- oder Museumsinformationen zu prüfen.
Warum der 5046/5146 bis heute fasziniert
Die ÖBB 5046 und 5146 waren keine Prestigezüge. Genau das macht sie sympathisch. Sie waren nicht für große Werbekampagnen gebaut, sondern für die tägliche Arbeit. Ihr Design ist freundlich, ihre Technik nachvollziehbar, ihre Einsatzgeschichte vielfältig.
Sie stehen für eine Zeit, in der Österreichs Nebenbahnen noch dichter, lebendiger und regionaler wirkten. Für Bahnfans sind sie deshalb mehr als alte Dieseltriebwagen. Sie erinnern an Schienenwege, die teils verschwunden sind, an Bahnhöfe mit Ladegleisen, an blaue Garnituren im Tal, an Dieselbrummen zwischen Wiesen, Wäldern und kleinen Städten.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ein 5046 oder 5146 auf einem T-Shirt so gut funktioniert. Man trägt nicht nur einen Zug. Man trägt ein Stück österreichische Bahngeschichte.
Quellen und weiterführende Links
- Wikipedia: ÖBB 5046/5146
https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96BB_5046/5146 - Technisches Museum Wien: Dieselhydraulischer Triebwagen ÖBB 5046
https://www.technischesmuseum.at/jart/prj3/tmw/main.jart?content-id=&getObjectDetailPdf=yes&id=191615&rel=de&reserve-mode=active - Gerhard Obermayr: Die Eisenbahnen in Österreich – ÖBB 5046/5146
https://www.eisenbahn.gerhard-obermayr.com/oebb/die-oebb-fahrzeuge/dieseltriebwagen/50465146/ - Gerhard Obermayr: ROeEE/GySEV Triebwagen 5046
https://www.eisenbahn.gerhard-obermayr.com/privatbahnen/roee-bahn/triebwagen-5046/ - Eisenbahnmuseum Heizhaus Strasshof: Sammlung
https://eisenbahnmuseum-heizhaus.com/de/sammlung - Nostalgiebahnen in Kärnten: Steuerwagen 6546.210
https://www.nostalgiebahn.at/6546-210.html - OÖ Geschichte: Personen- und Güterzüge der Donauuferbahn
https://www.ooegeschichte.at/ausstellungen/120-jahre-machlandbahn/personen-und-gueterzuege-der-donauuferbahn - Tramways.at: Dieseltriebwagen der Österreichischen Bundesbahnen
https://www.tramways.at/other/OeBB_VT.htm - Wikipedia/Wikimedia: GySEV 5146.02 im Bahnpark Budapest
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:%C3%96BB_5146_2010.jpg - Austria-Forum: S-Bahn Wien
https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/S-Bahn_Wien - Austria-Forum: Leobersdorfer Bahn
https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Leobersdorfer_Bahn - Wikipedia: Bahnstrecke Pöchlarn–Kienberg-Gaming
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_P%C3%B6chlarn%E2%80%93Kienberg-Gaming
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